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Rubrik: Forum

Zum Beitrag "Gartenschläuche als Nudeln" von Michael Hampe
Erschreckender Befund

Published: 14.06.2007 06:00
Modified: 14.06.2007 17:13
druckbefehl

Von Kurt Signer, BA

Es sei mir gestattet, den Worten von Michael Hampe aus der Geschichte meines bescheidenen Wissens einige Gedanken beizufügen.

In den alten griechischen Gymnasien, den Sportschulen, die dem martialischen Wettkampf gewidmet waren, war es üblich, dass ein berühmter Philosoph wir wissen das von Plato sich einfand, um im Pausengespräch den wilden Kämpfern Kultur und die Liebe zur Wahrheit beizubringen. Dieser Anfang des höheren Unterrichts stand so programmatisch im Gegensatz zu der wilden Form des Wettkampfes.

Wenn nun die Prinzipien des freien Marktes unter dem Einfluss des Neoliberalismus auch bei uns in Europa die Hochschulen zu beherrschen beginnen, mit einem wilden Ranking und dem medienwirksamen sich auf die Brust Klopfen der Hochschulen, so ist das die Umkehrung des alten griechischen Gymnasions und des Zeitpfeiles. Den Philosophen und Wissenschaftlern wird nun beigebracht, wie man kämpft.

Der Naturforscher E. Haeckel hat in seinen Arbeiten das Prinzip des erbarmungslosen Wettkampfes ums Überleben in der Natur dargestellt. Er war dabei ein Schüler von Darwin. Die naturwissenschaftlichen Theorien Haeckels haben sich auch auf die Wirtschaft und das soziale Leben übertragen. Wir wissen aber heute, dass sich die Evolution so nicht abgespielt hat. Nicht die grössten Pflanzen und Lebewesen haben die Katastrophen überlebt, sondern die an ihre Umwelt am besten anpassbaren. Der schwedische Naturforscher Jakob von Uexküll hat in seinen Schriften die Funktionskreise des Lebens vom primitiven, mechanistischen Wettstreit um das Überleben abgetrennt und auf die übermaschinellen Eigenschaften des Lebens übertragen. Der Schweizer Adolf Portmann ist den Gedanken Uexkülls gefolgt.

Es ist doch eine eigenartige Symmetrie der Geschichte, dass gerade die Hochschulen, die ja die Geschichte der Wissenschaft kennen, nun wieder auf den mechanistischen Wettbewerb, den Markt und die Konkurrenz zurückfallen. Wir wissen doch, dass das Überleben nicht durch den brutalen Kampf, sondern durch das innere Programm, den inneren Plan, bestimmt ist. Es wäre wünschenswert, dass die Schweizer Hochschulen die extrovertierte Übung im Wettbewerb hinter die introvertierte Konzeption und die Besinnung auf das Essentielle stellen würden.


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