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Rubrik: Tagesberichte |
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ETH-Ratspräsident Alexander Zehnder über die Wahl fürs ETH-Präsidium "Professoren sind am Wahlprozess beteiligt" |
![]() Der ETH-Rat hat gestern über die Zusammensetzung jener Kommission entschieden, die sich auf die Suche nach einem neuen ETH-Präsidenten machen wird. Resultat: Drei Sitze sollen von ETH-Professoren eingenommen werden, weitere Kommissionsmitglierder sind der ETH Zürich verbunden. Die ETH-Professoren konnten demnach ihre Forderung nach einer starken Beteiligung am Prozess durchsetzen. Zum Verfahren befragte "ETH Life" ETH-Ratspräsident Alexander Zehnder. Interview: Norbert Staub und Roman Klingler Herr Zehnder, der oder die neue ETH-Präsident/in soll bereits gegen Ende des kommenden Spätsommers im Amt sein. - Ist das nicht zu kurzfristig angesichts der Bedeutung des Postens? Alexander Zehnder: Ich glaube nicht. Die Anzahl möglicher Kandidaten und das Einzugsgebiet ist limitiert. Das unterscheidet uns von Hochschulen in den USA, wo teils von dreistelligen Zahlen ausgegangen wird. Wenn wir eine Liste von vielleicht 25 Namen haben, mit welchen wir uns überhaupt näher beschäftigen werden, ist das viel. Auf jeden Fall liegt es doch im Interesse aller, die derzeitige Interimsphase für die ETH Zürich möglichst kurz zu halten.
Wie läuft die Kandidatensuche konkret ab? Akteure aus allen Wissenschafts-, aber auch aus anderen Bereichen sind eingeladen, bis Ende Jahr Namen von möglichen Bewerbern bei mir einzureichen. Jeder Vorschlag wird registriert. Ab Januar 2007 führt eine Findungskommission den Prozess. Sie filtert eine so genannte Longlist mit acht bis zwölf valablen Kandidatinnen und Kandidatenheraus – ausgezeichnete Personen, die bereit sind, die Herausforderung ETH-Präsidium auch wirklich anzunehmen. Die Kommission führt bis im März 2007mit all diesen Personen Interviews. Aufgrund der Interviews wird aus der Longlist eine Shortlist erstellt. Wie viele Kandidaten sind das noch? Es kommt darauf an, was für Kandidaturen wir haben. Auf der Shortlist stehen jene, die nicht nur valabel sind, sondern das gesuchte Profil hervorragend erfüllen. Das kann auch ein einziger oder eine einzige sein, wenn er oder sie die anderen völlig überstrahlt. Zur Findungskommission: Wer entscheidet darüber, wie sie zusammengesetzt wird? Es ist meine Aufgabe als Präsident, dazu einen Vorschlag zu machen. Dieser ist nun aufgrund intensiver Konsultationen mit verschiedensten Personen in der Wissenschaftswelt zustande gekommen. Ein Teil der Kommission ist gesetzt und wird durch das so genannte Personnel Committee des ETH-Rats gebildet. Zu diesen vier Personen gehört zum Beispiel der Vertreter der beiden Hochschulversammlungen. Der letzte Entscheid über die Zusammensetzung liegt aber beim ETH-Rat. Es ist schliesslich der ETH-Rat als ganzer, und nicht die Findungskommission, der dem Bundesrat schliesslich einen Wahlvorschlag macht. Die ETH-Professoren haben unmissverständlich erklärt, dass sie „in geeigneter Form“ in die Kandidatenkür einbezogen werden wollen. Wie wollen Sie diesen Anspruch berücksichtigen? Der ETH-Rat hat beschlossen, drei Professoren der ETH Zürich in die Findungskommission aufzunehmen. Damit ist die ETH Zürich mit mehreren Personen in der zwölfköpfigen Findungskommission vertreten. Neben Frau Prof. Heidi Wunderli und den Professoren Ulrich Suter und Rüdiger Vahldieck ist neu ja der erwähnte Vertreter der Hochschulversammlungen Zürich und Lausanne, Markus Stauffacher, ein ETH-Angehöriger. Und auch Kommissionsmitglied und Nationalfondspräsident Dieter Imboden ist ETH-Professor. (s. Kasten linke Spalte) Fünf ETH- oder ETH-nahe Kommissionsmitglieder; damit scheinen Sie dem Anspruch auf Repräsentanz Rechnung zu tragen. Hier muss ich etwas klarstellen: In einer solchen Kommission darf Repräsentanz keine Rolle spielen. Es geht vielmehr darum, dass ein Komitee von ausgewiesenen Köpfen die beste Person für diese Aufgabe findet, und dies im Interesse der gesamten ETH Zürich. Diesen Entscheid dürfen Partikularinteressen nicht beeinträchtigen. Es war immer eine Stärke der ETH, dass das Wahlprozedere nicht aus langwierigen internen Prozessen bestand, und damit nicht wie oft bei anderen Hochschulen auf Kompromisslösungen hinauslief. Das ermöglichte fast immer die Wahl starker Führungskräfte. Mit den fünf der ETH verbundenen Kommissionsmitgliedern wird dem Anliegen der Professorenschaft Rechnung getragen. |
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Sprechen wir kurz über die Shortlist. Wie geht die Kommission mit ihr um? Auch hier müssen wir erst abwarten, wie die Shortlist aussieht. Sind Externe in ungekündigter Stellung im Rennen, muss das weitere Verfahren in geschlossenerem Rahmen stattfinden, als wenn nur Interne dabei sind. Auf jeden Fall ist aber die den Departementsvorstehern zugesicherte Repräsentanz der Professorenschaft beim Selektionsverfahren gegeben. Haben Sie aufgrund des Scheiterns von Ernst Hafen am Wahlprozedere Änderungen vorgenommen oder die Kriterien modifiziert? Einen grundsätzlichen Verfahrensfehler im letzten Prozess kann ich auch bei eingehender Analyse nicht erkennen, aussenstehende Spezialisten übrigens auch nicht. Man kann aber immer Einzelnes verbessern. Ich kann mir deshalb vorstellen, dass es nach den gemachten Erfahrungen sinnvoll ist, wenn ein aussenstehender Spezialist für die Suche nach Top-Führungskräften die Findungskommission kritisch begleitet, aber wohlgemerkt: nicht mit entscheidet. Zudem haben wir den Austausch mit den Departementsvorstehern direkter und enger gestaltet. Ob ein zusätzliches externes Assessment durchzuführen ist, entscheidet die Kommission. Wann kristallisiert sich für Sie die neue Präsidentin oder der neue Präsident heraus? Ende März sollte der Findungsprozess schon sehr weit gediehen sein. Im Juni sollte der Bundesratsentscheid vorliegen. Klar ist bei alledem: Ausgezeichnete Leute vom Kaliber eines ETH-Präsidenten sind selten. Wird der oder die KandidatIn aus der Schweiz kommen? Nicht zwingend. Aber es ist sinnvoll, von der ETH aus konzentrische Kreise zu ziehen. Der Präsident der ETH Zürich ist eine öffentliche Persönlichkeit, die in diesem Land eine politisch wichtige Rolle spielt. Diese Person steht im Schaufenster, denn rund 95 Prozent der Mittel der ETH stammen letztlich von den Steuerzahlern. Das heisst, wir brauchen eine Person im ETH-Präsidium, die es gewohnt und fähig ist, mit der Schweiz und der schweizerischen Vielfalt und Mentalität umzugehen. Intern mag das kein Problem sein. Aber es würde für die ETH schwierig, wenn sich der Präsident in der hochschulpolitischen Landschaft Schweiz nicht durchsetzen könnte.
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